Sicher reisen auf Kreuzfahrten: Experten beruhigen nach Hantavirus-Fall
Der kürzliche Ausbruch des Hantavirus auf dem niederländischen Expeditionsschiff „MV Hondius“ hat bei vielen Reisenden Besorgnis ausgelöst. Drei Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus, darunter auch eine deutsche Passagierin. Weitere Erkrankte werden derzeit medizinisch betreut. Trotz dieser tragischen Ereignisse stuft das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) das Risiko für die Allgemeinbevölkerung als sehr gering ein. Dennoch wirft dieser Vorfall grundlegende Fragen zur Sicherheit von Kreuzfahrten im Hinblick auf Infektionsrisiken auf.
Infektionsrisiken auf Kreuzfahrtschiffen: Enge Räume und gemeinsame Nutzung
Kreuzfahrtschiffe sind Orte, an denen Hunderte bis Tausende Menschen über Tage oder Wochen auf engem Raum zusammenleben. Die gemeinsame Nutzung von Restaurants, Pools, Aufzügen und anderen Einrichtungen erhöht grundsätzlich das Risiko, dass sich Krankheitserreger verbreiten können. Bekannt sind vor allem Norovirus-Ausbrüche, die immer wieder auf Schiffen auftreten, sowie die massiven Corona-Infektionen zu Beginn der Pandemie, welche die Verletzlichkeit solcher Gemeinschaftsräume verdeutlichten.
Spezifische Einschätzung des Hantavirus-Falls durch Experten
Tomas Jelinek, medizinischer Direktor des Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT) und wissenschaftlicher Leiter des Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf, bewertet die Situation gegenüber der Westfalenpost als sehr speziell: „Das ist eine sehr spezielle Situation auf diesem einen Schiff – und das wird sich so schnell nicht wiederholen.“ Er schätzt das Risiko, dass Passagiere auf anderen Schiffen mit dem gefährlichen Andes-Stamm des Hantavirus in Kontakt kommen, als äußerst gering ein.
Jelinek erklärt weiter: „Das niederländische Ehepaar, das als Indexfall gilt, ist sehr wahrscheinlich schon krank an Bord gekommen und hat das Virus dann auf andere übertragen. Das ist aber nichts, womit man normalerweise rechnen würde. Und es ist auch kein Grund, warum sich andere Kreuzfahrerinnen und Kreuzfahrer jetzt beunruhigen müssten.“ Diese Einschätzung unterstreicht, dass es sich um einen aussergewöhnlichen Einzelfall handelt und keine generelle Gefahr für Kreuzfahrten besteht.
Hygienestandards und Kontrollmechanismen auf Kreuzfahrtschiffen
Das betroffene Schiff kann laut Jelinek keinen Vorwurf treffen. „Wir sind umgeben von Viren, Bakterien und allem Möglichen – und es passiert halt mal, dass irgendwo etwas eingeschleppt wird.“ Der Fall zeigt jedoch auch, dass trotz hoher Standards gelegentlich Risiken bestehen.
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) betont in einer Stellungnahme, dass derartige Fälle in der Umgebung eines Kreuzfahrtschiffes sehr ungewöhnlich sind. Die Übertragung von Hantaviren von Mensch zu Mensch gilt als äußerst selten. Kreuzfahrtschiffe unterliegen strengen internationalen Hygiene- und Gesundheitsvorschriften. Dazu zählen umfassende Massnahmen zur Lebensmittelhygiene, Kontrollen der Trinkwasserqualität sowie detaillierte Reinigungs- und Desinfektionskonzepte für öffentliche Bereiche, Kabinen und sanitäre Einrichtungen.
Kreuzfahrten gelten weiterhin als eine sichere und gut regulierte Form des Reisens
Die Einhaltung dieser hohen Standards wird regelmässig durch unabhängige Behörden kontrolliert, unter anderem durch die US-Seuchenbehörde CDC, die ihre Inspektionsergebnisse öffentlich macht. Zusätzlich verfügen Reedereien über interne Kontrollsysteme, führen Schulungen der Crew durch und haben standardisierte Abläufe für den Umgang mit Krankheitsfällen etabliert. Der VDR fasst zusammen: „Kreuzfahrten gelten weiterhin als eine sichere und gut regulierte Form des Reisens.“
Sicherheit auf Kreuzfahrten trotz Einzelfällen gewährleistet
Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Expeditionsschiff „MV Hondius“ stellt einen aussergewöhnlichen Einzelfall dar, der nicht repräsentativ für das generelle Risiko auf Kreuzfahrten ist. Die Branche hält hohe Hygiene- und Gesundheitsstandards ein, die durch regelmässige Kontrollen und Schulungen ergänzt werden. Insgesamt bleibt das Risiko für Infektionen auf Kreuzfahrten sehr gering, sodass diese weiterhin als sichere und gut regulierte Reiseform gelten.







