Wenn Korallen verstummen: Die Zukunft unserer Riffe steht auf dem Spiel
Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde. Sie schützen Küsten, sichern die Lebensgrundlage von rund einer Milliarde Menschen und sind für zahlreiche marine Arten unverzichtbar. Gleichzeitig stehen sie weltweit unter zunehmendem Druck. Der Report «Status of Coral Reefs of the World: 2025» des Global Coral Reef Monitoring Network (GCRMN) verdeutlicht das Ausmass des weltweiten Rückgangs der Korallenbedeckung. Die Ergebnisse zeigen aber auch: Korallenriffe können sich erholen, wenn lokale Belastungen reduziert werden und Schutzmassnahmen langfristig wissenschaftlich begleitet werden.
Korallenbedeckung weltweit um 9.5 % zurückgegangen
Der aktuelle GCRMN Report basiert auf Daten aus 40 Jahren. Gegenüber dem Durchschnitt des Referenzzeitraums zwischen 1980 bis 2009 ist die Korallenbedeckung weltweit relativ um 9.5 % zurückgegangen.
Besonders deutlich wurden die Auswirkungen grossflächiger Korallenbleichen infolge mariner Hitzewellen. Steigende globale Temperaturen führen dazu, dass diese Ereignisse häufiger und intensiver auftreten. Den Korallenriffen bleibt zwischen den Hitzewellen dadurch immer weniger Zeit zur Regeneration.
Bei einer Korallenbleiche verlieren Korallen ihre symbiotischen Algen, die ihnen unter anderem Energie und ihre typische Farbe liefern. Bleibt die Belastung bestehen, können die Korallen absterben. Wiederholte Bleichen schwächen die Riffe und erschweren ihre natürliche Erholung.
Die Ergebnisse des Reports machen den dringenden Handlungsbedarf deutlich. Ohne schnelle Emissionsreduzierungen und wirksame Schutzmassnahmen drohen weitere, teilweise unumkehrbare Verluste.
Lokaler Meeresschutz kann die Erholung unterstützen
Trotz des globalen Rückgangs geben die Ergebnisse Anlass zur Hoffnung. Mehrere Regionen zeigen, dass sich Korallenriffe erholen können, wenn lokale Belastungen wirksam reduziert werden.
Dazu gehören Massnahmen gegen:
- Überfischung
- nicht nachhaltige Küstenentwicklung
- Wasserverschmutzung
- Korallenprädatoren
- weitere Belastungen durch menschliche Aktivitäten
Werden diese Stressfaktoren verringert, können Korallenriffe widerstandsfähiger werden. Das unterstützt ihre Erholung nach Korallenbleichen und anderen Störungen.
Für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger ergibt sich daraus eine wichtige Botschaft: Gut konzipierte Massnahmen auf lokaler Ebene können messbare Verbesserungen bewirken. Sie ersetzen zwar keine globale Reduzierung der Emissionen. Sie schaffen aber bessere Voraussetzungen dafür, dass sich Riffe zwischen den Belastungen regenerieren können.
21.1 Millionen Beobachtungen aus 36‘886 Riffstandorten
Die Bewertung des GCRMN ist ein bedeutender Fortschritt für die gemeinschaftliche Korallenforschung. Die Datengrundlage umfasst 21.1 Millionen Beobachtungen von 36‘886 Riffstandorten. Damit wurden mehr als zehnmal so viele Daten berücksichtigt wie im Bericht von 2020.
Zusammengetragen wurden die Informationen von mehr als 600 Partnern weltweit und über zahlreiche Monitoring Netzwerke. Diese Zusammenarbeit ermöglicht eine deutlich umfassendere Sicht auf die Entwicklung der Korallenriffe.
Die Daten zeigen, wie sich Riffe über lange Zeiträume verändert haben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können dadurch:
- Entwicklungen und ihre Ursachen besser nachvollziehen
- verschiedene Regionen miteinander vergleichen
- Schwerpunkte von Rückgang und Erholung erkennen
- Schutzmassnahmen gezielter auf die Bedingungen vor Ort abstimmen
Für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger liefert der Report damit eine wichtige Grundlage, um Risiken einzuschätzen und Meeresschutz wirksam zu planen.
«Die Botschaft ist eindeutig»
Dr. Manuel González Rivero, Hauptautor des Berichts, betont die Bedeutung wissenschaftlich fundierter Entscheidungen: «Unser Bericht liefert die bislang umfassendste Bewertung des Zustands der weltweiten Korallenriffe. Die Botschaft ist eindeutig: Regierungen müssen dringend wissenschaftlich fundierte politische Massnahmen und Managementansätze umsetzen. Der wirksamste Weg, Korallenriffe zu schützen, besteht in einer schnellen Emissionsreduzierung, konsequenten Massnahmen gegen lokale Belastungen und einem kontinuierlichen langfristigen Monitoring. Nur so können Schutzmassnahmen gezielt dort ansetzen, wo sie die grösste Wirkung entfalten.»
Das langfristige Monitoring ist dabei besonders wichtig. Nur wenn Veränderungen regelmässig erfasst werden, lässt sich feststellen, welche Massnahmen wirken und wo Anpassungen nötig sind.
MSC Foundation unterstützt Forschung und Meeresschutz
Im Rahmen verschiedener Initiativen unterstützt die MSC Foundation Forschung und wissenschaftlich fundierten Meeresschutz.
Auf den Bahamas verbindet das Super Coral Reefs Programme Korallenrestaurierung, Forschung und öffentliche Aufklärungsarbeit. Das Programm ist im Marine Conservation Center auf Ocean Cay angesiedelt.
Als Mitglied der International Coral Reef Initiative (ICRI) beteiligte sich die MSC Foundation gemeinsam mit weiteren Unterstützerinnen und Unterstützern an der Finanzierung des aktuellen GCRMN Berichts. Zusätzlich steuerte die Stiftung eine Fallstudie bei.
Diese Fallstudie stellt verschiedene Bereiche des Programms vor. Dazu gehören:
- Forschungspartnerschaften
- Monitoring Aktivitäten
- Massnahmen zur Korallenrestaurierung
- die Behandlung von Korallenkrankheiten
Daniela Picco, Executive Director der MSC Foundation, erklärt: «Wir sind stolz darauf, zu dieser aussergewöhnlichen globalen wissenschaftlichen Initiative beigetragen zu haben. Korallenriffe senden uns eine klare Botschaft: Diese lebenswichtigen Ökosysteme stehen weltweit unter zunehmenden Druck. Wir sind deshalb fest davon überzeugt, dass Investitionen in Forschung und Monitoring entscheidend sind, um Restaurierungsmassnahmen vor Ort gezielt zu unterstützen. Die Entscheidungen, die wir heute vor Ort treffen, können die globale Zukunft dieser lebenswichtigen Ökosysteme massgeblich beeinflussen.»
Warum Korallenriffe für Menschen unverzichtbar sind
Korallenriffe bedecken lediglich 0.2 % des Meeresbodens. Trotzdem bieten sie Lebensraum für mehr als 25 % aller marinen Arten.
Ihre Bedeutung reicht weit über die Unterwasserwelt hinaus. Korallenriffe:
- sichern die Lebensgrundlage und das Wohlergehen von rund einer Milliarde Menschen
- schützen Küstenregionen vor Wellen und Stürmen
- unterstützen Fischerei und Tourismus
- enthalten bioaktive Substanzen, die für die medizinische und pharmazeutische Forschung wichtig sind
- erbringen Ökosystemleistungen mit einem geschätzten jährlichen Wert von bis zu 9.9 Billionen US-Dollar
Der Schutz der Riffe ist deshalb nicht nur eine ökologische Aufgabe. Er betrifft auch Ernährung, Küstenschutz, Wirtschaft und die Gesundheit vieler Menschen.
Karibik und Bahamas: Eine Region mit unterschiedlichen Entwicklungen
Die Karibik gehört laut GCRMN Report zu den Regionen mit einem besonders deutlichen Rückgang der Korallenbedeckung. Die Verluste traten vor allem nach starken marinen Hitzewellen und Krankheitsausbrüchen auf.
Eine besondere Belastung stellt die Stony Coral Tissue Loss Disease (SCTLD) dar. Die Ausbreitung und Sterblichkeit durch diese Korallenkrankheit hat in zahlreichen Teilen der Karibik zu erheblichen Korallenverlusten geführt.
Zusätzliche Belastungen entstehen durch:
- zunehmende intensive Hurrikane
- steigende Verschmutzung
- Massenfischerei
- invasive Arten
Für die Bahamas zeigt sich ein differenzierteres Bild. Dort war die Korallenbedeckung insgesamt bereits niedriger und blieb in den 1990er Jahren weitgehend stabil. Im Verlauf der 2000er und 2010er Jahre setzte jedoch ein allmählicher Rückgang ein.
Das Super Coral Reefs Programme auf Ocean Cay setzt an dieser Entwicklung an. Durch die Verbindung von Forschung, Monitoring, Restaurierung und Aufklärung sollen die Bedingungen für die Erholung der Korallen verbessert werden.
Jede Schutzmassnahme zählt
Der Report «Status of Coral Reefs of the World: 2025» zeigt die ernste Lage der Korallenriffe. Gleichzeitig macht er deutlich, dass gezielte Massnahmen Wirkung zeigen können.
Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Ansätze: Die globale Erwärmung muss begrenzt werden. Gleichzeitig müssen lokale Belastungen sinken. Forschung und langfristiges Monitoring helfen dabei, die richtigen Massnahmen zu entwickeln und ihre Wirkung zu überprüfen.
Für dich als Reisende oder Reisender bedeutet das: Informiere dich über Meeresschutzprojekte, unterstütze verantwortungsvolle Anbieter und gehe bei Landausflügen achtsam mit der Unterwasserwelt um. Jede Entscheidung vor Ort kann dazu beitragen, dass Korallenriffe auch in Zukunft Lebensraum, Küstenschutz und unvergessliche Erlebnisse ermöglichen.







